Dürfen Christen Zinsen verlangen?

Nein, wenn es nach der Enzyklika „Vix pervenit“ geht! Bis zum Beginn des 18. Jahrhunderts hat niemand das Zinsverbot der römisch- katholischen Gemeinde angezweifelt. Aber inoffiziell wurde dieses biblische Gebot immer öfter durch kluge Darlehensverträge umgangen. Die Protestanten durften damals schon Zinsen ihren Schuldnern verrechnen. Die Enzyklika, deren lateinischer Titel übersetzt soviel wie „Zum entfachten Streit“ bedeutet, sollte noch einmal in aller Deutlichkeit den Gläubigen und Sündern klarmachen, dass alle Zinsen, nicht nur die Sünde des Wuchers, verboten seien, wenn man im Sinne der Bibel ein rechtschaffenes Leben führen wollte. Der Grund, wieso die Schrift solchen Namen trägt, ist auch bekannt. Die Lage in Verona spitzte sich zu, als der Rektor einer Akademie in Verona, Petrus Ballerini, ein Traktat veröffentlichte, in dem es um eben diesen Wucher geht. Jede Tat, mit der wir heute ganz selbstverständlich die Geschäfte der Banken finanzieren und sie unsere, wurde damals nicht nur als Widerspruch zu den göttlichen Lehren, auch als Widerstand gegen die Entscheidung der Kirche, aber sogar als Widerspruch zur Vernunft und als Zeichen mangelndens Menschheitsbewusstsein angesehen. Ob das nun so ist oder nicht, könnte man heute noch diskutieren, insofern man den Nutzen der Darlehen und Zinsen infrage stellt. Damals war nicht dieses In- Frage- Stellen abwegig, sondern der Gedanke, sich guten Gewissens Zinsen auszahlen zu lassen! Nachdem der Rektor dieses Traktat abgefasst hatte, passierte aber etwas in den Augen der Bürger Ungeheuerliches. Die Stadt Verona erlegte den Bürgern eine öffentliche Anleihe auf. Und die verlangte 4 Prozent hohe Zinsen.

Da dies in mehreren italienischen Städten verordnet wurde, entbrannte ein landesweiter Streit darüber, ob Zinsen gerecht oder Sünde seien und vor allem, wann. Der Streit brachte aber auch einiges Handfestes hervor, so zum Beispiel 3 Bücher des Poeten Maffei, der den Nachweis erbringen wollte, dass die Bibel sich nie ausdrücklich gegen Zinsen ausdrückt. Außerdem kritisierte er die Kirchenväter, für die Wucher eine Sünde, aber „niedrige“ Zinsen von 4 Prozent üblich ist. Der Streit verschärfte sich durch die Argumente, die das Buch lieferte. Die Enzyklika wurde als Antwort und strenge Reaktion auf Maffeis Werke von Papst Benedikt XIV. geschrieben, um, wie die Einleitung sagt, „ein wirksames Gegenmittel darzureichen und dem Übel die Möglichkeit zu nehmen, weiter fortzuwuchern und auch bis dahin noch unversehrte Städte Italiens anzustecken.“

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September 4th, 2009 | Allgemein

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