Krisengelegenheit
Egal was man von östlichen Kulturen, Konfuzianismus oder Mao hält, es gibt ein sprachlich äußerst interessantes Phänomen im Chinesischen, genauer gesagt in Mandarin.
Nämlich, dass die Bewohner dieses Wirtschaftsboomers für „Krise“ und für „Gelegenheit“ das gleiche Wort benutzen.
Egal ob dies nun aus unendlicher alter Weisheit oder aus reinem Zufall so ist, lässt sich das perfekt auf die jetzige Situation ummünzen:
Für viele Anleger, aber vor allem für Broker und, damit eng verbunden, die großen Bankhäuser war die letzte Zeit eine ziemliche Talfahrt. Man muss nur ein Auge auf die Abschreibungen werfen, die Banken wie die UBS, Goldman-Sachs oder auch die Citibank vor kurzem vornehmen mussten. Ausgelöst wurde diese (Subprime-)Krise durch faule Immobilienkredite in den USA, worauf viele Anleger und Spekulanten mit leichter Panik reagierten und so die Misere noch ausweiteten.
Aber, um wieder zur sineologischen Semantik zurückzukehren, diese Krise bietet für viele eine Gelegenheit.
Zum einen kann manch Anleger davon ausgehen, dass sich viele Kurse rehabilitieren werden und daraus Gewinn schlagen oder zumindest einige Verluste zurückholen. Zum anderen aber bietet die jetzige Situation für Kleinanleger enorme Vorteile. Egal ob Sparbuch, Festgeld oder Taggeld, die Zinsaussichten stehen ausgezeichnet.
Freilich ist dies nicht nur auf die Subprime-Krise zurückzuführen, auch die langsam wachsende bis stagnierende Wirtschaft und die damit einhergehende Inflation tut ihr Übriges.
Die Notenbanken erhöhen regelmäßig die Leitzinsen und so können auch die Banken bei ihren Angeboten nachziehen.
So bieten bereits einige Unternehmen, wenn auch im Rahmen eher kurzfristiger Aktionen, Festgeldzinsen in Höhen von vier bis fünf Prozent, was, verglichen mit den derzeitigen Sparzinsen, die meisten Kleinanleger schon zu einem kurzen Jubelchor verleiten sollte.
So eröffnet die Krise der einen den anderen ungeahnte oder zumindest unverhoffte Möglichkeiten.
Wer aber den Chinesen und ihrer Sprache zu misstrauisch gegenübersteht kann das alles auch auf Deutsch haben: Des einen Freud ist des anderen Leid.
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